Das Familienzentrum in Vechelde ist volljährig – und wird beerdigt.

Erstellt von Axel Specht |

Das Familienzentrum der Kirchengemeinde Vechelde soll am 31.12.2019 abgewickelt werden. So hat es der Kirchenvorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen. Damit wird das zentrale Dach, unter dem ein aktives und lebendiges Gemeindeleben für Groß und Klein in Vechelde stattfindet, abgerissen. Wie wertvoll und wichtig das Familienzentrum für die Gemeinde und den Ort ist, zeigt allein schon ein Blick auf die Liste der 40 lokalen Sponsoren bestehend aus Privatleuten, Handwerksbetrieben und Unternehmen.

In der Außendarstellung wird der Eindruck erweckt, dass ein großer Teil der bisherigen Angebote auch nach dem Wegfall der Pfarrstelle weitergeführt werden könnte. Dies ist mittel- und langfristig nicht zu erwarten!

Ohne hauptamtliche Unterstützung durch die Kirchengemeinde (derzeit die Pfarrstelle) und eine adäquate personelle Besetzung des Familienzentrums (derzeit eine Büroangestellte und eine pädagogische Mitarbeiterin) kann ehrenamtliches Engagement weder organisiert, gefördert, begleitet noch unterstützt werden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind mit dem begleitenden organisatorischen Aufwand, der für eine Weiterführung der jeweiligen Angebote notwendig ist, überfordert. Dieser Mehraufwand lässt sich kurz in folgende Stichworte fassen: Planung, Werbung, Anmeldung, Finanzierung, Einkauf und Abrechnung.

Der zukünftige Mangel an Unterstützung trifft die unterschiedlichen Angebotsbereiche nicht gleichermaßen:

Angebote für unter dreijährige Kinder werden von eigenständigen „Übungsleitern“ durchgeführt, die sich über die jeweiligen Kurse finanzieren. Hier kommt auf die einzelnen „Übungsleiter“ zwar organisatorische Mehrarbeit zu; grundsätzlich kann das Angebot erhalten bleiben. Inwieweit sich der zukünftig erhöhte Zeitaufwand für die „Übungsleiter“ auf die Teilnehmergebühren auswirkt bleibt genauso abzuwarten wie die Frage nach der Zumutbarkeit für die „Übungsleiter“.
Das Angebot „Kinderkirche“ wird ausschließlich von Ehrenamtlichen (Eltern und Teamer) getragen. Auch hier kommen auf die Eltern mehr organisatorische und inhaltlich vorbereitende Aufgaben zu. Auch hier ist die abschreckende Wirkung des entstehenden Mehraufwandes nicht zu unterschätzen, zumal eine Unterstützung durch die Teamer wegfallen wird (s.u.).

Für die Konfirmanden- und Jugendarbeit als konzeptionell zusammengehöriges Angebot sieht es dagegen finster aus. Hier führt der Wegfall hauptamtlich Verantwortlicher in Kirchengemeinde und Familienzentrum zur Zerstörung der Rahmenbedingungen und damit zur Abkehr von einem für Jugendliche attraktiven werte vermittelnden Angebot. Die Konfirmation bzw. der Konfirmandenunterricht ist für Jugendliche ein Zugangspunkt zu „Kirche“ und Gemeinde, der im bisherigen Modell eine Einladung an die Jugendlichen ist „Gemeinde“ im neutestamentlichen Sinn zu erleben. Neben der reinen Wissensvermittlung, die im Konfirmandenunterricht stattfinden muss, steht hier das Thema „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ im Vordergrund. Ein Thema das nicht vermittelbar, sondern nur als ein Teil dieser Gemeinschaft erlebbar ist. Das lässt sich nur durch eine breite ehrenamtliche Unterstützung (die Teamer) in einem Leitungsteam zusammen mit dem Pfarrer erreichen. In diesem Sinne ist die Konfirmandenzeit im Wesentlichen durch sog. Konfersamstage (Halbtagesveranstaltungen  in der Gemeinde) und zwei Konfirmanden-Ferienseminare (kurz „KFS“; 5 Tage in den Oster- und Herbstferien in Hankensbüttel) geprägt. Zeitgleich zum KFS findet eine 2-teilige Jugendgruppenleiterausbildung für die JuLeica statt. Diese Schulung ist über eine sog. Praxisübung eng mit dem KFS verbunden. Bei der Praxisübung lernen die zukünftigen Teamer wie eine Spielaktion geplant, vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird. Das ganze findet als 2 stündige Spielaktion für die Konfirmanden während des KFS statt. Leitung und Teilnehmer der Schulung arbeiten im Team gemeinschaftlich zusammen. Christliche Regeln des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft werden dabei gelebt und erlebt. Die Jugendlichen erfahren sich selbst als aktiver gleichberechtigter Teil des Schulungsteams.

Zwischen den beiden JuLeica-Schulungen gibt es dank des Familienzentrums viele Möglichkeiten das Wissen und die Erfahrungen der Schulung im aktiven Gemeindeleben einzubringen. Nach den JuLeica- Schulungen schließt sich ein Seminar zu Vorbereitung und späteren Durchführung der Ferienaktion (sechs Halbtagesangebote für 6-12-Jährige in den Sommerferien) an.

Nach dem umfangreichen Projekt „Ferienaktion“ besteht für die Jugendlichen die Möglichkeit selbst Teamer beim KFS zu werden. So schließt sich der Kreis der Angebote, in den Jugendliche anlässlich der Konfirmation eintreten und (oft über mehr als zehn Jahre hinweg) Teil der christlichen Gemeinschaft der Gemeinde Vechelde sind.

Mit diesem Modell der Konfirmanden- und Jugendarbeit ist durch den Wegfall der Pfarrstelle in Vechelde und die Abwicklung des Familienzentrums nun Schluss!

Zum Gesamtkonzept aus Pfarrstelle und Familienzentrum gehören auch die Aktivitäten im evangelischen Kindergarten „Arche Noah“. Da sind verschiedene Andachten und Gottesdienste im Kirchenjahr, eine Kinderbibelwoche und weitere themenorientierte Andachten zu nennen. Diese Veranstaltungen werden in Zukunft nicht mehr stattfinden können!

Auch die Zusammenarbeit  mit der Grundschule wird sich nicht aufrechterhalten lassen!
Zu den letztgenannten Themen sei als „Beleg“ angeführt, dass die Gottesdienste im Seniorenstift ab 2020 mangels Kapazitäten bereits abgesagt sind. Das wird demnächst alle „Sonderveranstaltungen“ betreffen. Dazu muss nur der zeitlichen Aufwand für sogenannte „Pflichtveranstaltungen“ wie sonntägliche und feiertägliche Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Trauungen sowie Beerdigungen inklusive der jeweiligen Vor- und Nachbereitung zusammengerechnet werden. Da bleibt ohne hauptamtliche Vollzeitstelle in der Gemeinde Vechelde keine Zeit mehr.

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